Tatjana Dravenau setzt in ihrer künstlerischen Arbeit als Pianistin und Liedgestalterin zwei Schwerpunkte: Zum einen engagiert sie sich für die Neu- und Wiederentdeckung selten gehörter
Kompositionen. Für den WDR Köln nahm sie gemeinsam mit Daniel Johannsen, Elvira Bill und Konstantin Ingenpaß Ersteinspielungen von Liedern der Komponist*innen Evelyn Faltis, Mathilde von Kralik,
Hildegard Quiel, Bertha Wegener-Koopman, Alwine Feist und Max Reger auf. Mit Hagar Sharvit widmet sie sich deutschen und französischen Komponistinnen. Lieder jüdischer Musiker*innen des 20.
Jahrhunderts präsentiert die mit Pia Viola Buchert für Genuin produzierte CD „Eisnacht“ (Release 2025); Othmar Schoeck und Conrad Ansorge stehen im Mittelpunkt eines 2021 entstandenen
Konzertfilms mit Daniel Johannsen. Zum anderen richtet sie ihre Aufmerksamkeit und die des Publikums auf den durch die Verbindung von Musik und Sprache entstehenden Bedeutungsreichtum. Eine CD
mit Liedvertonungen des 19. Jahrhunderts von Gedichten über Blumen und Bäume, gesungen von Catalina Bertucci und Georg Poplutz (Release Herbst 2025 / Genuin classics), wird von einer
Buchpublikation im Waxmann-Verlag begleitet, in der Kontextinformationen zu den Gedichten und der Symbolik der Blumen enthalten sind.
Um den Bedeutungsgehalt von Liedern geht es ihr auch in ihrer pädagogischen Arbeit als Dozentin für Lied und vokale Korrepetition an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Hier entwickelte
sie die Seminarreihe Lied & Lyrik, in der sich Studierende und Lehrende der literatur- und musikwissenschaftlichen Fakultäten der Folkwang Universität, der Universität Duisburg-Essen und der
Ruhr-Universität Bochum gemeinsam mit angehenden Sänger*innen und Pianist*innen analytisch und künstlerisch mit Liedern auseinandersetzen. Aus den Seminaren entstand die Website
Liedinterpretation online, die durch eine Fellowship für Innovationen in der digitalen Hochschullehre des Ministeriums für Kunst und Wissenschaft des Landes NRW gefördert wurde. Für ihre
„herausragenden und innovativen Leistungen in der Lehre“ wurde ihr der Landeslehrpreis NRW 2023 in der Kategorie Kunst- und Musikhochschulen verliehen.
Ihre Laufbahn wurde Tatjana Dravenau ermöglicht durch ihr solistisches Klavierstudium bei Till Engel an der Folkwang Hochschule in Essen sowie bei Richard McMahon am Royal Welsh College of Music
and Drama in Cardiff. Prägend für ihr Arbeit als Liedgestalterin war die Zusammenarbeit mit Friedemann Berger, Hochschule für Musik und Theater München. Parallel zu ihrer künstlerischen
Ausbildung erwarb sie das Diplom Musikpädagogik in Essen und den Master of Arts/Musikpädagogik an der Musikhochschule Köln. Ihr musikpädagogisches Promotionsstudium wird von Peter Röbke an der
Universität für Musik und darstellende Kunst Wien betreut und durch ein Stipendium der Gisela und Peter W. Schatt Stiftung gefördert.
Ihr Klavierspiel wurde mit dem Preis der Deutschen Schubert-Gesellschaft für Liedbegleitung, dem Price for Piano Accompaniment und für Piano solo der John Ireland Society London sowie mit dem
Lawrence Davies Memorial und dem Julian Jacobson Award ausgezeichnet. Seit 2016 ist sie offizielle Klavierbegleiterin der Gesangsteilnehmer*innen im Internationalen
Robert-Schumann-Wettbewerb in Zwickau. Sie konzertierte u.a. in der Symphony Hall Birmingham, der Philharmonie Essen, den Schumannhäusern Zwickau, Leipzig, Düsseldorf und Bonn, im Mendelssohn
Haus Leipzig, in der Reihe „Im Zentrum Lied“ in Köln, im Thürmersaal Bochum, beim Festival VOICES und bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten.
